Anonyme Briefe enthalten mehr unbeabsichtigte Hinweise auf ihre Autoren,
als allgemein angenommen

Aussagen von Christoph Daum, Uli Hoeneß und Gerhard Mayer-Vorfelder auf dem Prüfstand
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Stand: 21.01.2014

Lügendetektion, Bewerber und Mitarbeiter-Check

(Detektiv-Kurier 01/2001)



Von Raimund H. Drommel
Institut für Angewandte Kommunikationswissenschaften

Download: Bewerbercheck.pdf



Beispiel „DAUM-AFFÄRE“



Christoph Daum zu den gegen ihn erhobenen Drogenvorwürfen:

„Nichts schmerzt dich mehr als das Mitleid deiner Feinde.“
(von Christoph Daums Individualprogramm potentiell generierbarer Satz)

  1. „Drogen waren, sind und werden nie ein Thema für mich sein 12 . “ (WAHR)


  2. „Drogen sind für mich ein Tabu-Thema 13 .“ (WAHR)


  3. „Ich werde den Nachweis meiner Unschuld erbringen. (...) Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe 14 . (...)“ (UNWAHR) (Selbst-Täuschung)

Christoph Daum, NLP-Kenner, wählt zunächst bewusst oder unbewusst, das ist hier sekundär, eine Formulierung, die er echt und stimmig vertreten zu können glaubt (1).

Dieser Satz ist in vieler Hinsicht bemerkenswert. Christoph Daum will eine sog. kognitive Dissonanz vermeiden. Kognitionen sind Gedanken, Ideen, innere Dialoge – all das, was der Mensch innerhalb seines Kopfes zu tun vermag. Und Dissonanz bedeutet Unstimmigkeit. Wenn ein Mensch im Sinne von Harald Weinrichs linguistischer Definition widersprüchliche Gedanken hat, befindet er sich im Zustand der kognitiven Dissonanz. Solche inneren Widersprüche können nicht nur das Selbstbild und das eigene Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen, sie sind auch von geübten Kalibrieren auditiv und/oder visuell leicht zu erkennen. Um dieser Tendenz Einhalt zu gebieten, versucht bereits sein Unbewusstes, die kognitive Dissonanz zu reduzieren. Dabei werden einzelne Gedanken sprachlich so umgewandelt, dass die Widersprüche im Denken zumindest verringert werden.

Welche Strategie setzt Herr Daum zur kognitiven Dissonanz-Reduktion 15 ein?

Ein Thema ist ein Gegenstand, z.B. einer Rede oder eines Dialogs, ein Leitmuster oder ein Grundgedanke. „Kein Thema!“ – was heißt das in unserer Umgangssprache? – Etwas, worüber man nicht spricht, weil es für einen selbstverständlich ist, nicht darüber zu diskutieren oder zu verhandeln. „Kann ich mal kurz dein Auto haben?“ – „Kein Thema.“ „Bekomme ich das Doppelzimmer zum alten Preis?“ – „Kein Thema.“ Also: Ich, der Gefrage, lehne es ab, überhaupt über diesen von einem anderen „thematisierten“ Gesprächsinhalt zu sprechen, weil das Gefragte selbstverständlich ist oder zu  trivial und somit für mich nicht wert, ein Gesprächsgegenstand zu sein.

Warum sagte der Interviewte nicht: „Ich habe nie Drogen eingenommen, nehme keine Drogen ein und werde nie Drogen einnehmen“? Die Antwort lautet: Wegen seines Bemühens um Dissonanz-Reduktion. Die gespreizte Zeitorientierung (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) ist zudem ein rhetorisches Mittel der Emphase und dient im Endeffekt der Verschleierung. Also sagt Daum die Wahrheit mit dem, was er sagte. Beachten Sie also bitte den Wortlaut.

Fünf Tage später formuliert er Satz (2). Auch hier – und erst recht im Vergleich zum Vorgänger-Zitat (1) – ist die Formulierung verräterisch: Wieder kommt uns Daum mit dem „Thema“. Können Drogen für jemanden, der Drogen konsumiert, „ein Tabu-Thema“ sein. Aber klar doch! Er sagt ja nicht: „Ich nehme keine Drogen.“ Im Gegenteil: „Das Sprechen über Drogen ist für mich tabu“. Ein Tabu ist ein (ursprünglich) religiös bestimmtes Verbot oder Meidungsgebot. Also hätte der Satz zu unserer Beruhigung lauten müssen: „Drogen sind für mich (ein) Tabu.“ Das aber sagt er gerade nicht. Also lügt er auch nicht. Da braucht es nicht einmal einen im allgemeinen erforderlichen weiteren Kontext.

Es ist schon interessant: In der Regel lügen Menschen eher in Spontan-Situationen, weniger in vorbereiteten Reden. Bei Daum ist es gerade umgekehrt. Natürlich kann er aus unserer Sicht kein reines Gewissen, aber der vermutlich von ihm initiierte Haar-Pre-Test in Holland (mit dem negativen) Ergebnis lassen in Verbindung mit einem wahrscheinlichen Realitätsverlust keinen Raum für die Negation dieser Aussage („Ich habe kein absolut reines Gewissen“) in seinem Bewusstsein zu. Selbsttäuschung wie bei Clinton. Allerdings mit einer anderen Konditionierung.


Uli Hoeneß zu dem Zeitpunkt seiner Kenntniserlangung von den Daum-Drogen-Gerüchten:

  1. „Ich kenne diese Gerüchte so konkret erst seit dem Artikel in der FAZ 16 . (WAHR)

Frage: „Uli Hoeness, Sie haben das mehrfach betont, als Christoph Daum zum Bundestrainer berufen wurde, das war im Juli, da haben Sie noch nicht davon gewusst, dass es Gerüchte um Drogen bei Christoph Daum gibt. – Können Sie sich vorstellen, dass Ihnen das wenig Leute glauben?“

  1. „Das kann ich mir vorstellen, aber es ist so. Ich habe, ich gebe auf Gerüchte nichts. Aber im September, Oktober, als die Dinge schwarz auf weiß in den Zeitungen standen, da habe ich reagiert und da musste ich reagieren – für meinen Charakter. Und das hatte nichts damit zu tun, was da im Juli oder vor 10 Jahren irgendwelche Leute rumgewabert haben. Das hören wir jeden Tag in dem Geschäft. Aber am 2. Oktober hat das eine Zeitung geschrieben, und ich habe gesagt, wenn das stimmt, kann er nicht Bundestrainer werden, und dazu stehe ich heute noch 17 .“ (WAHR)

Die einschränkende Formulierung so konkret ist ganz hervorragend, räumt er doch mit ihr ein, dass er die Gerüchte als solche schon seit langem kennt. Am 4.11.2000 bestätigt er genau dies, siehe (2). Die linguistische Analyse ergibt für beide Statements die Wahrheit.

Gerhard Mayer-Vorfelder zu dem Zeitpunkt seiner Kenntniserlangung von den Daum-Drogen-Gerüchten:

Frage: „Bleiben Sie dabei, dass Sie keine Ahnung hatten, wie es um Christoph Daum steht?“

„Ich sage es noch ein Mal: Ich habe nichts gewusst. Ich wurde mit den Gerüchten erst konfrontiert, als Uli Hoeneß durch sein Interview die Lawine losgetreten hat 18 .“ (keine Bewertung, da Zitat nur in Schriftform vorhanden)

Nach Weinrich (Linguistik der Lüge) hätte Mayer-Vorfelder (MV), um zu lügen, in seinem Bewusstsein folgende Äußerung präsent haben müssen:

„Ja, ich habe etwas gemerkt. Ich wurde mit den Gerichten nicht erst konfrontiert, als Uli Hoeneß durch sein Interview die Lawine losgetreten hat.“

Da mir von diesem im Kicker veröffentlichten Interview weder die Stimme noch eine Videoaufzeichnung MVs vorliegt, vermag ich bei diesem Zitat die Wahrheitsfrage nicht zu beantworten. Ohne Video kein visuelles Kalibrieren. – Was versteht man darunter?





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