Anonyme Briefe enthalten mehr unbeabsichtigte Hinweise auf ihre Autoren,
als allgemein angenommen

Sprachanalyse mit TrusterPro, Lügendetektor (Polygraph)
Leistungen
Publikationen
 
Stand: 21.01.2014

Lügendetektion, Bewerber und Mitarbeiter-Check

(Detektiv-Kurier 01/2001)



Von Raimund H. Drommel
Institut für Angewandte Kommunikationswissenschaften

Download: Bewerbercheck.pdf



Das technische Verfahren „TrusterPro“



Funktionsweise und Technik

Lügendetektoren (Polygraphen) herkömmlicher Art registrieren den psychischen Stress einer Person, etwa über Parameter wie Pulsfrequenz, Blutdruck, Atmung, Hautfeuchtigkeit (Schweißabsonderung) oder Hautwiderstand und verlangen einen Körperkontakt. Die Testperson muss also körperlich verfügbar (anwesend) sein und zudem wird ihr bei diesem Verfahren bewusst sein, dass sie getestet wird. Die Testsituation der Versuchsperson birgt das Risiko zusätzlicher Unschärfen für die Ergebnisse (Stress bereits allein durch die Prüfungssituation) und setzt – zumindest nach rechtsstaatlichen Normen – die Einwilligung und/oder Kooperation der Probanden voraus.

Kerngedanke von Truster ist, dass psychischer Stress, Gefühlsregungen und vieles mehr ihren Niederschlag in unserer Sprechstimme, im Sprachsignal, findet. Das Computerprogramm, heute als TrusterPro auch in Europa angeboten19, extrahiert aus der menschlichen Stimme für die Wahrheitsbeurteilung wichtige Informationen. Das Programm stellt die Stimmwellen mathematisch dar und rechnet sie in drei Schritten („emotionale Basiswerte”, „kognitive Daten”, „Lügenwahrscheinlichkeit”) mit verschiedenen Algorithmen („Schritt-für-Schritt-Verfahren”) durch. Es schließt aus acht elementaren Sprachprogrammen auf die Lügenwahrscheinlichkeit eines getesteten Satzes. Für diese acht Parameter liefert das Liberman-Programm aus dem Stimmbild der Testperson Kurven zu der Lügenrate (Stress und Anspannung), der Lügenwahrscheinlichkeit (Verhältnis zwischen individuellen Daten und allgemeinen Lügenmustern), der physischen Gesamtreaktion (körperliche Stabilität), der mentalen Gesamtbelastung (geistige Stabilität), der kognitiven Anspannung (Zustimmung oder Ablehnung zu den eigenen Worten), der Gefühlsregung (emotionale Empfindungen) und in der gedanklichen Anspannung (Grad geistiger Reflexion und Auslastung) sowie die SOS (= Say or Stop)-Kurve (Tendenz zur Verheimlichung von Information).

Eigenschaften

  • die einzelsprachunabhängige Truster-Technologie arbeitet mit allen Sprachen und Dialekten
  • Truster operiert auf jedem modernen Multimedia-PC oder Laptop (Computer-Anforderungen: Minimum: Pentium II, Arbeitsspeicher: 32 MB; Empfehlung: Pentium III, Arbeitsspeicher: 128 MB ; Betriebssysteme: Windows 95, Windows 98, NT 4.0)
  • Der Offline-Modus gestattet eine detaillierte Bewertung aufgezeichneter gesprochener Sprache
  • Der Sofort-Analyse-Modus liefert ein direktes Feedback auf dem Computer-Schirm während eines laufenden Gespräches: „Sprecher ist unsicher“, „Falschaussage“, „Hoher Stress“ usw.
  • Die Software ist leicht installierbar und hat eine Schnittstelle mit jedem konventionellen Telefonsystem
  • Hohe Trefferquoten: Entwickler und Vertreiber verweisen darauf, dass unabhängige Tests ergeben haben, dass Truster mindestens so exakt arbeitet wie der herkömmliche Polygraph

Analyse-Modalitäten:


Online-Modus

Dieser Modus liefert einen Täuschungsbefund und einen Stress-Indikator in Echtzeit, wobei die Analyse sowohl bei einem Telefongespräch als auch bei einem Face-to-Face Gespräch durchgeführt werden kann. Die Software erlaubt es dem Operator, besondere Segmente des Gespräches zu markieren, liefert ein graphisches Echtzeit-Profil von neun verschiedenen Sprech-Kriterien und erzeugt einen beschreibenden Bericht am Ende des Anrufes/Gespräches.

Automatischer Offline-Modus

Jedes Gespräch kann aufgezeichnet und – falls erforderlich – im PC für spätere Analysen gespeichert werden. Die automatische Funktion führt dann eine Analyse durch und zeigt die Bedeutungs-Bereiche innerhalb der Konversation an.

Anrufbeantworter-Modus

Früher aufgezeichnetes Material kann zur späteren Bezugnahme oder detaillierten Analyse in das Software-System importiert werden. Die Truster-Software bewältigt Radio-, TV- oder Echtzeit-Aufzeichnungen; und sie kann die Aufzeichnungen in gleicher Weise erfassen wie ein ganz normaler Kassettenrecorder. Der Gebrauch dieses Modus’ beansprucht allerdings eine große Speicherkapazität der Festplatte (7 MB für je 10 Minuten).

Interview-Modus

Dieser Modus erlaubt die Verwendung individuell gestalteter Fragebögen für eher formalisierte Interviewsituationen, bei denen ein strukturiertes Format erforderlich ist. Dieser Modus liefert zwei Arten von Analysen, eine Voranalyse, die sofort nach jeder wichtigen Frage/Antwort erscheint und eine detaillierte Version, die am Ende der Durchführung geliefert wird. Begleitend zu der Analyse werden die detaillierten Berichte zu Täuschung und Stress für jede vordefinierte Hauptfrage/Hauptantwort durch ein professionelles graphisches Display vervollständigt. Der Interview-Modus wurde in Polygraph-kompatibler Form konzipiert.

Der Lügendetektor (Polygraph)

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Polygraph von den weltberühmten deutschsprachigen Psychologen Max WERTHEIMER und Carl Gustav JUNG entwickelt – zur „Aufklärung eines Verdachts“. Schon kurz darauf wurde der Polygraph in die USA exportiert. Nachdem in Nordamerika von John LARSON im Jahre 1921 der erste Polygraph gebaut worden war, wurde dieses Instrument zur Verbrechensaufklärung und zum Unschuldsbeweis zunehmend häufiger von der US-amerikanischen Kriminalpolizei eingesetzt und gehört dort heutzutage zum Alltag kriminalpolizeilicher Täterschaftsermittlung.

Monica Lewinsky sollte sich testen lassen und lehnte ab.

O. J. Simpson saß am Lügendetektor und fiel durch. Der Polygraph entlarvte den ehemaligen Football-Star als Lügner, als er steif und fest behauptete, er habe seine Ex-Frau und deren Freund nicht ermordet.

In den USA gehört der Lügendetektortest zum juristischen Alltag. Eine Million Beschuldigte werden pro Jahr an das Gerät zur Wahrheitsfindung angeschlossen. Auch außergerichtlich wird das Verfahren eingesetzt. Wer einen Job beim Geheimdienst CIA oder der Bundespolizei FBI will, muss die Prozedur über sich ergehen lassen. Pharmakonzerne und mehr als die Hälfte der US-Polizeibehörden lassen ihre Mitarbeiter durch den Lügendetektor testen, um internen Drogenmissbrauch zu bekämpfen.


Kontroverse Sichtweisen der Gerichte

Die Zulassung von sogenannten „polygraphischen Gutachten“ ist in der Bundesrepublik seit Jahren umstritten.

1954 Maßgeblich ist ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Damals verboten die höchsten Richter die Anwendung in Strafverfahren. Begründung: Unabhängig von der Verlässlichkeit verletze der Test die Menschenwürde sowie die Freiheit der Willensentscheidung.

1994 Familienprozess in Bamberg. Zwei Töchter lebten nach der Scheidung bei ihrer Mutter. Diese warf dem Kindesvater sexuellen Missbrauch vor. Polygraph-Test Ergebnis: Die Ehefrau hatte gelogen.

1981 Der Bundesgerichtshof bestätigte nochmals: Der Polygraph-Test ist menschenunwürdig. Der Verdächtige würde wie ein messbarer Gegenstand behandelt.

1997 Umdenken des Bundesverfassungsgerichts. Es entschied: „Die Verwendung von Ergebnissen einer solchen Untersuchung im Strafrecht bewegt sich innerhalb des eingeräumten Rahmens.“ Und hält, gegenüber seiner früheren kategorischen Ablehnung, nunmehr den Einsatz eines Lügendetektors zur Feststellung des dringenden Tatverdachtes neben anderen Beweismitteln für möglich. Beschluss des BVerfG vom 15. 10. 1997 ( Az.: 2 BvR 1211/97)

1998 Strafverfahren mit dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17. Dezember 1998 (1 StR 156/98 und 1

StR 258/98). Das Gericht spricht dem Lügendetektor jeglichen Beweiswert ab und weist auf die Manipulationsmöglichkeiten bei den derzeitigen Verfahren hin.

1998 Strafprozess vor dem Amtsgericht Malchin. In Mecklenburg-Vorpommern wird ein 52jähriger vom Vorwurf frei gesprochen, seine seit kurzem von ihm geschiedene 50jährige Frau vergewaltigt zu haben. Das Gutachten auf der Grundlage des Lügendetektortests stützte seine Unschuldsbeteuerung. Das Amtsgericht hatte als erstes deutsches Gericht den Lügendetektor als Beweismittel in einem Strafverfahren zugelassen. Zur Begründung hatte der Amtsrichter gesagt, er fühle sich verpflichtet, moderne Verfahren im Gericht einzuführen.

1998 Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz lehnte den Einsatz des Polygraphs ab. Es argumentierte, dass es schließlich dem Gericht obliege, über die Glaubwürdigkeit eines Zeugen oder Prozessbeteiligten zu befinden. Außerdem würde durch einen Lügendetektortest die Möglichkeit des Gerichts zur eigenen Beurteilung des Sachverhalts stark eingeschränkt. Im Endeffekt bliebe dem Gericht nur noch das Ergebnis des Lügendetektors zu akzeptieren, sofern es sich zur Anerkennung dieser Vorgehensweise entschließe. Damit übernehme eine Maschine „wesentliche Teilbereiche der richterlichen Beurteilungstätigkeit“. (Az.: 4 Sa 639/97)




Fazit



Fehlentscheidungen in der Personalverwendung und Auswirkungen von Mitarbeiterdelikten verursachen in den deutschen Unternehmen jährlich insgesamt Schäden in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrages. Wirksames Mittel zur Prävention und Eindämmung derartiger Schadensgrößen sind – auch wenn teilweise umstritten – die verschiedenen Formen der Mitarbeiterkontrolle. Detektive können als externe und objektive Betrachter im Zusammenwirken mit Spezialisten diesbezüglich beachtliche Ergebnisse erbringen.





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