Anonyme Briefe enthalten mehr unbeabsichtigte Hinweise auf ihre Autoren,
als allgemein angenommen

Der Code des Bösen. Jeder Mensch bedient sich einer Sprache, die ihm so auf den Leib geschrieben ist, dass er daran fast genauso sicher zu ermitteln ist wie an den Rillen seiner Finger. Erstmals legt ein Sprachprofiler seine Methoden offen und zeigt, was ihre Sprache über die Täter verrät.
Leistungen
Publikationen
 
Stand: 21.01.2014

Kachelmann-Syndrom

Bonus-Kapitel zum Buch "Der Code des Bösen"
(exklusiv auf diesen Webseiten)


Das mutmaßliche Opfer



Doch damit sind die Parallelen zwischen den Fällen Kachelmann und Bornholm noch keineswegs erschöpft: Beide Frauen lebten zumindest teilweise in Fantasiewelten, in denen sie selbst und ihre Liebhaber eher Figuren aus TV-Seifenopern als realen Personen ähnelten. „Simone“ gehörte als lokale Radiomoderatorin auch ihrerseits der Medienwelt an, wenn auch sozusagen nur der Regionalliga. Und Tina Nußbaum hoffte, mit Bornholms Hilfe gleichfalls den Sprung auf die Bühne einer Fernsehshow zu schaffen. Beide Frauen waren also nicht allein und nicht einmal vorwiegend ihren realen Liebhabern „verfallen“ – sondern hauptsächlich deren Aura als TV-Eminenzen.

Entsprechend schwer fiel es anscheinend beiden Frauen, stets zwischen Fantasie und Wirklichkeit, Eingebildetem und tatsächlich Erlebtem zu unterscheiden. Beide führten Tagebücher, in denen ihre Gedanken und Fantasien mehr oder weniger ausschließlich um den Geliebten und die eigene Abhängigkeit kreisten.

So kann es kaum verwundern, dass „Simone“ genauso wie Tina Nußbaum eine ausgeprägte Vorliebe für triviale Lovestorys an den Tag legte. Frau Nußbaum war eine eifrige Leserin von Groschenromanen und Yellow-Press-Schmonzetten – jedenfalls legt ihr eigener klischeehafter Stil als Verfasserin „therapeutischer Fiktionen“ diese Annahme nahe. Sehr ähnlich scheint Kachelmanns Geliebte „Simone“ nach der Daily-Soap „Verbotene Liebe“ nahezu süchtig gewesen zu sein. Unter dem Pseudonym „Christina Brandner“, einem Namen aus ihrer Lieblingsserie, fahndete sie via Facebook nach weiteren Geliebten des ungetreuen Wetterfroschs. Auch die Einwände etlicher Gutachter, die im Auftrag der Verteidigung die Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers untersuchten, deuten in diese Richtung: Demnach hat sich „Simone“ bei der Schilderung der angeblichen Vergewaltigung einer schwülstigen Sprache bedient, die sich von ihrem eigenen Duktus abhebt und eher der synthetischen Welt von „Verbotene Liebe“ zu entstammen scheint





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