Anonyme Briefe enthalten mehr unbeabsichtigte Hinweise auf ihre Autoren,
als allgemein angenommen

Der Code des Bösen. Jeder Mensch bedient sich einer Sprache, die ihm so auf den Leib geschrieben ist, dass er daran fast genauso sicher zu ermitteln ist wie an den Rillen seiner Finger. Erstmals legt ein Sprachprofiler seine Methoden offen und zeigt, was ihre Sprache über die Täter verrät.
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Stand: 21.01.2014

Kachelmann-Syndrom

Bonus-Kapitel zum Buch "Der Code des Bösen"
(exklusiv auf diesen Webseiten)


Strafprozess(un)recht?



Kaum weniger inszeniert als die Provokationen des Routiniers Schwenn wirken die Auftritte der Nebenklägerin „Simone“. Als sie vor Gericht erschien, um die angebliche Vergewaltigung zu schildern, hielt sie ein Buch mit dem Titel „Der Soziopath von nebenan“ in die Kameras. Solcherlei theatralische Gesten könnten selbst unvoreingenommene Beobachtern den Eindruck erwecken, dass auch „Simone“ von „Puppenspielern“ gesteuert wird – eine weitere Parallele zur Causa Bornholm/Nußbaum.

Doch damit noch immer nicht genug der Gemeinsamkeiten. Johann Schwenn ist nicht nur der vorläufig letzte Rechtsanwalt des zum Frosch entzauberten Ex-Wetterprinzen – er war auch der erste Rechtsbeistand, dem Bornholm seine Verteidigung anvertraute. Aber der Casting-Agent entzog ihm schon bald wieder sein Vertrauen: Schwenn hat sich laut Bornholm seinem eigenen Mandanten gegenüber unerträglich arrogant betragen und ihn nur bruchstückhaft über neu gewonnene Erkenntnisse und seine Verteidigungsstrategie informiert. Überdies argwöhnte Bornholm, der in Hamburg ansässige Schwenn sei selbst in das „norddeutsche Juristen-Netzwerk“ verstrickt, das seine Verurteilung frühzeitig beschlossen habe.

Die aus meiner Sicht fatalste Parallele zwischen beiden Prozessen ist jedoch die sprachkriminalistische Unbedarftheit der jeweils zuständigen Strafverfolgungsbehörden. Ebenso wie bei der Causa Bornholm hätten Polizei und Staatsanwaltschaft auch vor Kachelmanns Verhaftung, spätestens aber unmittelbar im Anschluss erst einmal diese grundlegende Frage prüfen müssen: Passen die anfänglichen Aussagen von „Simone“ bei Polizei und Staatsanwaltschaft ohne Einschränkung zu ihrem Individualstil?

Dieser Individualstil der Nebenklägerin im Kachelmann-Prozess kann bestimmt werden durch Analysen ihrer

  • Moderationsbeiträge im Radio, sofern aufgezeichnet,

  • Chat- oder Forenbeiträge, „Facebook“-Äußerungen usw.,

  • E-Mails und Briefe sowie

  • Tagebuchaufzeichnungen.

Dabei ist auch ihre persönliche sprachliche Variationsbreite zu erfassen: die Unterschiede zwischen mündlichem und schriftlichem Sprachstil, zwischen Texten, die in Eile oder mit Distanz, bei Ruhe oder in Aufregung angefertigt wurden. Ferner muss bei den vergleichenden Analysen berücksichtigt werden, dass eine (einmalige) Vergewaltigung eine Extremerfahrung darstellt, die das Opfer niemals vorher erlebt hat. Wenn es über dieses Ereignis berichtet, so wird sich seine Sprech- oder Schreibdisposition normalerweise radikal von jeder anderen Disposition unterscheiden, in der es sich jemals vorher sprachlich geäußert hat.

Die eilfertig von einigen Journalisten aufgestellte (und in unzähligen Medien blind wiederholte) Behauptung, „Simone“ habe einfach eine Vergewaltigungs-Story aus ihrer Lieblingsserie „Verbotene Liebe“ für ihre Anzeige abgekupfert, hat sich als haltlos herausgestellt. Gleichwohl steht auch im Fall Kachelmann die Frage im Raum, die sich im Fall Bornholm/Nußbaum als Dreh- und Angelpunkt erwiesen hat: Passen die Schilderungen der angeblichen Vergewaltigung vielleicht deshalb nicht zum individuellen Sprachstil der angeblich Geschädigten, weil sie nicht aus deren eigenem Erleben geschöpft sind, sondern aus einschlägigen Fiktionen wie Fernsehserien oder Liebesromanen?

Anlass zu diesem Verdacht hat „Simone“ auch insofern gegeben, als sich zumindest die von ihr zunächst geschilderte Vorgeschichte der angeblichen Vergewaltigung als Lüge herausgestellt hat. Anfangs behauptete sie nämlich, durch ein anonymes Schreiben von Kachelmanns Untreue erfahren zu haben. Dieser Brief habe zwei Flugtickets enthalten, die auf den Namen des Wettermanns und einer anderen Frau ausgestellt waren. Im Begleitschreiben habe der Satz gestanden: „Er schläft mit ihr.“ Erst nach wochenlangem Leugnen räumte „Simone“ ein, dass sie diesen Satz selbst geschrieben hatte. Hat sie möglicherweise die gesamte anonyme Sendung – mitsamt den Tickets – selbst fabriziert?
Ein erfahrener sprachkriminalistischer Gutachter kann diese Fragen zweifelsfrei beantworten – und wenn seine Antwort ein klares Ja ist, dann kann es auch im Fall Kachelmann nur ein Urteil geben: Freispruch für den Angeklagten. Ein Wettermoderator darf meteorologische Satellitenbilder wie Seelengemälde ausdeuten. Die Richter der Mannheimer Strafkammer aber haben einzig und allein über die Frage zu befinden, ob der Angeklagte im Sinn des Strafgesetzbuchs schuldig geworden ist.

Ferndiagnostisch ließ sich – erst recht im Dezember letzten Jahres – nicht klären, ob Kachelmann ein kaltblütiger Vergewaltiger, eine Art „spätpubertierender Hallodri“ oder schlichtweg ein Opfer der Nebenklägerin ist. Dass er „Der Soziopath von nebenan“ ist, darf jedoch bezweifelt werden. .





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